Leintuch wird zu Mundschutz

Mundmasken in Corona-Zeiten und die Geschichte eines alten Bettlakens

Im März 2020, als die Corona-Pandemie allmählich Fahrt aufnahm, rief eine Nähfreundin aus dem Schwäbischen auf ihrer Facebook-Seite auf, für ihren Arbeitgeber, die Uni-Klinik Augsburg, waschbare Mundmasken zu nähen, da auf herkömmlichem Weg keine mehr zu bekommen waren.

Da ich zu der Zeit schon von Kurzarbeit betroffen war (Hotel…), hatte ich mehr Zeit als sonst und setzte mich gleich an die Nähmaschine. Eine Nähanleitung war im Internet schnell gefunden, ein herumliegender weißer Stoff diente mir dazu, das erste Muster zu nähen.

Ich stellte fest, dass er sich ganz gut dafür eignete und schnitt gleich mal 30 Masken daraus zu. Dabei fand ich am Rand einen Aufnäher “JOSEFSHEIM” und eine eingestickte Nummer.

Achja, das Leintuch ist ja aus dem Josefshaus!

Das war meine Arbeitsstelle vor dem Hotel, nämlich von 2013 bis Ende 2017, ich war als geringfügig Beschäftigte in der Hauswirtschaft dort tätig. Das Haus war zu dem Zeitpunkt ein Jugendhaus, es wurde als solches von 2004 bis Oktober 2017 mit Jugendgruppen, Klassenfahrten, Kinderfreizeiten etc. belegt. Mit rund 60 Betten, einigen Gemeinschaftsräumen, einer schönen Außenanlage und der guten Lage mitten im Ort vom Ruhpolding mit Nähe zum Bahnhof war es recht beliebt und gut ausgelastet. Aus finanziellen Gründen konnte es mein damaliger Arbeitgeber, der Verkehrs- und Kulturverein Ruhpolding, nicht mehr länger als Jugendhaus aufrechterhalten, zu viel hätte auch renoviert werden müssen.

So wurde das Haus von den letzten beiden Mitarbeitern (Hausleiter und ich) ausgeräumt, einiges brauchbares noch im Internet und bei einem Haus-Flohmarkt verkauft und es steht nun leer, sollte in der nächsten Zeit vom gemeindlichen Wohnbauwerk zu Wohnungen umgebaut werden.

Auch ich konnte mir damals einiges vom Inventar mitnehmen, was ich brauchen konnte (oder meinte brauchen zu können), da war wohl auch dieses Bettlaken dabei.

 

Die Verbindung zu Corona kommt aber erst:

im Aufnäher des Bettlakens steht “JOSEFSHEIM” – daraus wurde später das “JOSEFSHAUS”.

1943 wurde das “Josefsheim”, einst die Praxis eines Ruhpoldinger Arztes, ein “Heim für tuberkulöse Mädchen”, Teil einer Lungenheilstätte in unserem kleinen Ort im Chiemgau, nahe an den Bergen. So manche erholungsbedürftige und schwerkranke Kinder aus ganz Deutschland verbrachten dort einige Monate zur Genesung, bis sich ihr Zustand verbesserte. 1972 wurde es umgebaut und erweitert, auch ein kleines Hallenbad eingebaut, bis in die 90er Jahre diente es dann noch als Mutter-Kind-Kurheim. Erst 2004 nahm es dann als Jugendhaus “Josefshaus” Gäste auf.

Die Zeit der Tuberkulose ist vorbei, so ändern sich die Zeiten – nun betrifft das Corona-Virus die Menschen auf vielfältige Weise!

Bei beiden Erkrankungen ist die Lunge in Mitleidenschaft gezogen!

Wie alt das Bettlaken war, kann ich nicht genau sagen, es war jedenfalls gut erhalten und ich habe es vor dem Vernähen noch mal gründlich gewaschen!

Ich hab inzwischen noch viele, viele Mundmasken genäht, die als Spende an diverse Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen gingen, auch mit bunten Stoffen!

Aber so eine Geschichte gibts nur zu diesem Bettlaken.

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